Räume formen Menschen: Eigene Räume

Dies ist ein dreiteiliger Essay über die Wirkung von Räumen auf Menschen.


Der prominenteste tatsächlich eigene Raum der jüngeren Kulturgeschichte ist Elsas Eispalast in „Frozen – Die Eiskönigin“. Mit ihrer magischen Kältekraft erschafft sich Elsa ihren ganz persönlichen Palast komplett aus Eis: „Don’t let them in, don’t let them see and be the good girl you always have to be. … Let it go … Turn away and slam the door. I don’t care what they are going to say. … Here I stand, and here I’ll stay. … I’m never going back, the past is in the past.“ Zahlreiche Raumkonzepte werden aufgerufen: Das erwartete Verhalten als „good girl“ in ihren elterlichen Schloss-Räumen; das Ausschließen anderer durch Türen und Ignorieren (Exklusion); das Nur-den-eigenen-Regeln-Gehorchen; Zeit als Raum (die Vergangenheit ist ein eigener Raum, der nun verlassen wurde).

Das weitere Geschehen holt Elsa jedoch in ihre sozialen Gefüge zurück. Schließlich findet sie im Happy End auch wieder Freude im elterlichen Schloss, das sie mit ihrer Schwester Anna bewohnt. So einfach, wie sie es euphorisch-befreit singt, kann sich Elsa nicht der Gesellschaft entziehen. Erst dringt ihre Schwester Anna in den Eispalast ein und versucht sie zu überreden. Später kommt es zur Auseinandersetzung mit Prinz Hans und seinem Gefolge, als diese in den Palast (Elsas Raum) eindringen.

Der eigene Raum bleibt letztlich nur eine Schimäre, die es ständig zu verteidigen gilt, vor allem gegenüber jenen, die nicht in ihm sind, aber entweder Anspruch auf den Raum oder an die Person darin erheben.

Räume formen Menschen: Eigene Räume

Räume formen Menschen: Geteilte Räume

Dies ist ein dreiteiliger Essay über die Wirkung von Räumen auf Menschen.


Der Hauptunterschied zwischen fremden und geteilten Räumen liegt in unserer Gestaltungsmacht. In einem fremden Raum gestaltete eine höhere Macht die Räume und bestimmte die Regeln für den Aufenthalt darin. In geteilten Räumen wird uns der Raum zur Nutzung überlassen, sein räumlicher Ist-Zustand ist also gesetzt. Aber die konkrete Ausgestaltung sowie die Regeln des Miteinanders darin obliegt uns, den tatsächlichen Nutzern.

In einer Ferienwohnung (fremder Raum) beispielsweise käme niemand auf die Idee, die Möbel umzustellen, das Schlafzimmer zum Wohnzimmer umzuwidmen und die Bilder an den Wänden durch Wand-Tattoos zu ersetzen. In einer WG (geteilter Raum), die eine gleichartig geschnittene Wohnung bezieht, ist dies jedoch selbstverständlich. Jeder gestaltet sich seinen Wohnbereich so, wie er oder sie es als angenehm empfindet. Für die gemeinsamen Räume (Küche, Bad, Flur, ggf. Wohnzimmer) werden Regeln ausgehandelt, die als Putzplan oder lose Übereinkunft gelten. Sie können jederzeit an neue Erfordernisse angepasst werden.

Räume formen Menschen: Geteilte Räume

Räume formen Menschen: Fremde Räume

Oder: Warum sich Großraumbüros falsch anfühlen und Kinder keine Einzelzimmer haben sollten.

Dies ist ein dreiteiliger Essay über die Wirkung von Räumen auf Menschen.


Von der Wohnung bis zum Büro bestimmen kleine und große, geschlossene und offene Räume unseren Aktionsradius. Räume wirken nicht nur als physischer Aktionsraum. Sie setzen auch die Regeln des psychischen Raums. Damit formen sie unsere Persönlichkeit, Kompetenzen und kehren das Beste und auch das Schlechteste von uns nach außen.

Stets und ständig befinden wir uns in Räumen, bewegen uns in diesen und passen diese an uns und unseren Bedürfnissen an:

  • unsere Wohnung oder das WG-Zimmer
  • unseren Arbeitsplatz oder das Büro
  • unser Fahrzeug oder Bus, Bahn
  • den öffentlichen Raum, die Wege, Straßen, Plätze, Parks, Strände

Wir wissen, welche Räume uns gut tun, beispielsweise die offene Landschaft eines Gebirgsausflugs oder ein Spaziergang einen Flusslauf entlang. Die Räume, in denen wir uns aufhalten, wirken direkt auf unsere Befindlichkeit. Das liegt zum einen an den Räumen selbst, zum anderen an den Menschen, mit denen wir – freiwillig oder aus fremder Veranlassung – diese Räume teilen.

Räume formen Menschen: Fremde Räume

Braucht das Abendland Kopfhörer mit Kabel?

Dass Apple in der aktuellen iPhone-Generation den bewährten 3,5mm-Klinkenstecker für Kopfhörer entfernt hat, sehen Propheten als Beginn des Apple-Untergangs. Kopfhörer müssen Kabel haben, sonst taugt der Ton nichts! Holen wir mal die Kirche zurück ins Dorf. In allen Argumentationen fallen zwei Hauptvorteile der 3,5mm-Klinkenbuchse immer wieder auf:

  • es gibt eine Vielzahl von Geräten (Kopfhörern), die ich anschließen kann
  • das Signal wird analog übertragen, ist also sowieso besser (denn Ton ist ja analog und nicht digital)

Beides sind verkürzte Wahrheiten.

Braucht das Abendland Kopfhörer mit Kabel?

Woraus eine Marke besteht

Dass Marken mehr sind als nur Preis-Aufschläge für Produkte, wurde in den bisherigen Texten deutlich. Gute Marken haben eine Geschichte zu erzählen, verkörpern Werte und geben ein Versprechen für die Produkte ab. Aus den bisherigen Beobachtungen und Beschreibungen lässt sich eine Systematik destillieren, die die vielfältigen Abhängigkeiten und Beeinflussungen zwischen Hersteller/Markeninhaber, Kunde/Nutzer und Produkt verdeutlicht.


Eine gute und erfolgreiche Marke ist wie ein besonderer Partygast. Man hat ihn gern dabei, er bereichert jede gesellige Runde, alle Anwesenden genießen seine Nähe, erinnern sich gern an ihn und freuen sich auf die nächste Zusammenkunft. Eine solche Wirkung wird gern mit Charisma, Aura oder „dem gewissen Etwas“ beschrieben. Tatsächlich sind es mehrere Tugenden, die solche Menschen auszeichnen:

  • Selbstbewusstsein (die Person ist sich bewusst, wer sie ist, was sie kann und was nicht, wo ihr Sitz im Leben ist, etc.)
  • kommunikative Kompetenz
  • angenehme Erscheinung oder Ausstrahlung (von der Kleidung über die Körpersprache bis zur Sprechweise)
  • souveränes Auftreten und Taktgefühl
  • Vertrauen und Ehrlichkeit (Körpersprache und Aussagen sind synchron)

Woraus eine Marke besteht

Die menschliche Seite von Marken

Dass Marken mehr sind als das Hersteller-Bekenntnis zu einem Produkt, wurde in den bisherigen Texten deutlich. Unternehmen versuchen starke Marken zu etablieren, und die Kunden benötigen diese für ihren Alltag. Ein Blick in die Historie zeigt, wie Marken entstehen können und wie die industrielle Revolution diese quasi unverzichtbar werden ließ.


Marken hat es in gewisser Weise schon immer gegeben. Der Unterschied besteht darin, dass einstens eine identifizierbare Person für die Produktqualität bürgte. Im Zeitalter der Massenproduktion ist es die abstrakte Konstruktion einer Marke, die für die Qualität eines Herstellers bürgt.

Dass dieses Konstrukt nicht so neu ist, wie wir gern glauben, belegen die Debatten um die Shakespeare-Stücke. Jahrhundertealt ist die Frage, ob uns tatsächlich der William Shakespeare aus Stratford upon Avon die Geschichten um Othello, Macbeth, Hamlet oder Romeo und Julia beschert hat.

Die menschliche Seite von Marken

Orientierung durch Marken

Der erste Teil beschrieb eine Grob-Aufteilung in Edel-, Beziehungs-, Preis-, Händler-Marken und Güte-Label und wie Hersteller dafür sorgen, möglichst starke Marken aufzubauen und deren Erfolg langfristig zu erhalten. Wieso dieses Unterfangen überhaupt gelingen kann, ist mit den Bedürfnissen der Käufer bzw. Nutzer zu erklären.


Aus Sicht der Konsumenten koordinieren Marken unseren Einkaufsalltag. Das geht weit darüber hinaus, nur Coca Cola in den Einkaufswagen zu lassen, weil „mir alle anderen Cola-Sorten nicht schmecken“. In dem Fall trifft möglicherweise das Markentreue-Argument gar nicht, sondern es handelt sich eher um eine Sorten-Präferenz. Markentreue zeigt sich vor allem, wenn neue Produkte ausgesucht werden (also eben nicht das selbe noch mal). Dabei werden aus verschiedenen Alternativen bewusst einige nicht wegen Produkteigenschaften, sondern aufgrund der Marke ausgeschlossen oder bevorzugt.

In einer verqueren Zuspitzung fungieren Marken genauso wie die Auswahl eines Sexualpartners: Der oder die Suchende schließt bewusst bestimmte Personen nach „willkürlichen“ Parametern aus: Geschlecht, Körpergröße, Gewicht, Alter, Haarfarbe und -länge, Gesichtsform, Fußgröße, Geruch, etc. Diese Vorselektion wäre von der suchenden Person auf Nachfrage nur teilweise rational erklärbar, viele Kriterien werden unbewusst angewendet. Genauso wie Mann A vielleicht brünette, mittelgroße Frauen bevorzugt, wird Mann B Produkte der Firma X präferieren. Möglicherweise haben A und B mit anderen bereits schlechte Erfahrungen gemacht, interessieren sich aus verschiedenen Gründen gar nicht für andere oder wollen positive Erfahrungen wiederholen. Orientierung durch Marken

Warum wir Marken brauchen

Teil 1 eines vierteiligen Essays über Marken.

Nahezu alles wird heute mit einem Label versehen und versucht so, zu einer Marke zu werden: Von Marken-Joghurt bis Markenklamotten, vom Marken-Handy bis zur Automarke – Marken begleiten unseren Shopping-Alltag, oder dominieren sie ihn sogar? Um zu erkennen, wieso Marken unser Leben tatsächlich erleichtern, wird zunächst betrachtet, wie sie funktionieren.


Die einen verspotten jene, die nur bestimmte Marken kaufen: „Marken sind doch nur Marketing. Und du bist drauf reingefallen und zahlst den dreifachen Preis.“

Die anderen ignorieren die Spötter und kaufen konsequent nur „Boss“-Anzüge oder „Apple“-Computer oder „Picaldi“-Jeans oder „Müller-Milch“: „Da weiß ich, was ich bekomme – und das ist auch das, was ich haben will.“

Wieder andere erklären bei einem Rotkäppchen-Sekt zu Serano-Schinken-Scheibchen, die mit Rama auf Vollkorn-Bio-Brötchen kleben, dass ihnen Marken herzlich egal sind: „Wir achten nicht auf Marken.“

Warum wir Marken brauchen

Quo vadis, eBook?

Meine jüngste Statistik für „User – Interface – Design“ zeigt, dass rund 23 Prozent aller Verkäufe 2015 als eBook erfolgt sind. Aber offenbar ist das entgegen aller Trends.

Laut dem Börsenverein des deutschen Buchhandels lag der eBook-Anteil in den ersten drei Quartalen 2015 bei 5,3 Prozent. In den USA beispielsweise wird ein Anteil von über 20 Prozent vermeldet.

Der Versuch einer statistischen Spurensuche.

Quo vadis, eBook?

Gedanken zur User Experience von Windows 10

Microsofts Entscheidung, nur ein Betriebssystem für alle Gerätetypen anzubieten, stieß auf eine gehörige Portion Skepsis. Handy, Tablets, Laptops und Desktop-PCs laufen alle mit der selben Windows-Version, nur die Bedienung unterscheidet sich. Mit Windows 8 begann das Betriebssystem-Abenteuer, mit Windows 10 wurde es dem Vernehmen nach zur alltagstauglichen Reife geführt. Da mir endlich ein plausibler Anwendungsfall präsentiert wurde, setze ich mich mit diesem Ansatz einmal – wenn auch theoretisch – auseinander.

Mir geht es dabei vorwiegend um die User Experience als Gesamterlebnis eines Gerätes, das in verschiedenen Nutzungssituationen verwendet wird. Diese User Experience kann allenfalls als Indikator für Kaufbereitschaft gesehen werden, sagt letztlich aber nicht unbedingt etwas über den Erfolg am Markt aus.

Gedanken zur User Experience von Windows 10

Kalender 2016: Popkulturelle Bilder – Images, Symbole, Icons des 20. Jahrhunderts

Und wieder steht ein neues Jahr vor der Tür. Ein Jahr, dem die Nummer 2016 zugeordnet wurde. Heuer ist es  ein sehr farbenfroher Kalender geworden. Beim Stolpern über alte Fundstücke schlich sich ein Gedanke aus dem Hinterkopf nach vorne: Warum nicht einen Kalender mit Bildern machen, die beim Betrachter ebenfalls Erinnerungen oder Gedanken auslösen können … und falls nicht, wenigstens hübsch und interessant anzuschauen sind. Dass solch ein Unterfangen immer zweischneidig ausgehen kann, habe ich diesmal wörtlich genommen und mit den Formen und Farben experimentiert.

Kalender 2016 als PDF (2 MB) laden

Kalender 2016: Popkulturelle Bilder – Images, Symbole, Icons des 20. Jahrhunderts

5 Mythen über das Texte-Schreiben

Texte zu schreiben und im Internet zu veröffentlichen ist ein beliebter Weg, Aufmerksamkeit zu generieren. Das liegt an der scheinbaren Einfachheit:

Diesen Annahmen liegt eine scheinbar plausible Logik zugrunde:

  1. Ich habe einen tollen Text erstellt.
  2. Durch einen „Zauber“ wird dieser sehr, sehr bekannt und von sehr vielen gelesen.
  3. All die vielen Leser finden den Text toll und damit auch mich als Autor bzw. das Unternehmen, für den dieser Text erstellt wurde.

Die Logik ist so falsch nicht, denn schließlich gibt es solche Fälle tatsächlich. Dass jedoch nur einem kleinen Teil aller produzierten und veröffentlichten Texte ein Erfolg vergönnt ist, wird gern vernachlässigt. Es gibt keine Garantie für einen Erfolg – man kann nur seine Chancen verbessern:

  • durch Masse: möglichst viel publizieren, um die statistische Wahrscheinlichkeit von Erfolg zu erhöhen
  • oder Klasse: möglichst gut publizieren, um die Qualitäts-„Gatekeeper“ zu überwinden.

5 Mythen über das Texte-Schreiben