Nicht schon wieder Jugendschutz

Der Heise-Newsticker meldet: Jugendschützer fordern vorinstallierte Porno- und Jugendschutz-Filter für den Internet-Zugang. „Ein erster entsprechender Entwurf spricht sich dafür aus, dass Anbieter von Telemedien sowie Blogger oder Forenbetreiber ihre Webseiten in eine der beiden Altersstufen ,ab 12‘ oder ,ab 18‘ einordnen.“

Und überhaupt – wie schon lange bekannt – muss das Internet viel strenger kontrolliert und reglementiert werden! Ich forderte ja bereits 2010 eine allumfassende FSK-Kennzeichnng für Internet, Bücher, CDs, Kalender und alles andere. Übrigens: Bedeutet diese Regelung, dass Blogs für (und/oder von) Kindern nicht gekennzeichnet sind? Bedeutet das, dass alle Blogs ohne Kennzeichnung für Kinder geeignet sind? Nein, denn die Erfahrung wird zeigen, dass auch jede Menge nicht gekennzeichnete Blogs nicht für Kinder und/oder Jugendliche geeignet sind, weshalb alle ungekennzeichneten Blogs automatisch verdächtig sind.
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Sind Fragen rufschädigend? [Update]

Der BGH hatte bereits voriges Jahr entschieden, dass rufschädigende Auto-Ersetzungen nicht hinnehmbar seien. Soweit ich das zwar nachvollziehen kann, habe ich doch Sorge, was als „rufschädigend“ gelten kann und somit klagewürdig ist. Nun wurde entschieden, dass Google bestimmte Einträge auch löschen muss.
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Neuer Kalender: Coole Bücher und kleine Verlosung

„We need to make books cool again. If you go home with somebody and they don’t have books, don’t fuck them.“ Das sagt John Waters (mehr Zitate von ihm), der als Filmregisseur bekannt ist – insofern ist seine Wertschätzung für Bücher durchaus bemerkenswert. Da ich diese teile, besteht der aktuelle Kalender – ja, es ist mal wieder so weit: das Jahresende naht, und damit steht ein neuer Kalender auf dem Programm – aus zwölf Lese-Empfehlungen.

Die Sammlung ist natürlich rein subjektiv und erhebt keinerlei kanonischen Anspruch. Vielleicht findet der eine oder die andere ja eine literarische Anregung, ansonsten dient der Kalender eben lediglich als schmückender Begleiter durch das Jahr. Das hat ja auch seinen Wert. Schließlich sind auch alle Tage darin verzeichnet, und bundesweite Feiertage (ebenso wie Sonntage) gekennzeichnet.

Also allen Blog- (und anderen) Lesern ein paar fröhliche Feiertage und ein glimpfliches Hinübergleiten in das nächste Jahr.

Hier gibt’s den Kalender als PDF zum Download (2,5 MB)

Achja, unter allen – ernst gemeinten, lesbaren – Kommentaren auf www.zanjero.de, die bis 30. Dezember 2013, 12 Uhr, eingehen, verlose ich drei papierne Exemplare, die per Post zugestellt werden.

Erfolgreich scheitern

Endlich ist es geschafft. Mein neuestes Büchlein hat die digitalen Regale gefunden, und kann nun bei epubli gekauft werden. In aller Ehrlichkeit: Das Manuskript ist bereits einige Monate alt, aber eine glückliche Fügung hat es mir beim Festplattenaufräumen unter die Finger gebracht, und die Segnungen des digitalen Veröffentlichens ermöglichen es, alle an den gehobenen Schätzen der Weisheit teilhaben zu lassen.

So schön papierne Bücher auch sind, so finanzintensiv sind sie auch. In unserer modernen Welt hat doch eh jedermann ein digitales Lesegerät bei sich – ob nun als Smartphone, Tablet oder eBook-Reader. Das ist auch wesentlich bequemer als hunderte bedruckte Papierseiten mit sich herumzuschleppen. Und auf den Geräten aller Unentschlossenen findet sich bestimmt noch etwas Speicherplatz für diesen nützlichen Ratgeber – natürlich nur, wenn die Unentschlossenen sich dazu entschließen können. Nicht das letzte Paradox, dem ich mich mit diesem Textlein aussetze …

Jetzt auch in einem eBook-Shop in Ihrer Nähe!

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Dieses Buch enthält nichts weniger als 50 unentbehrliche Ratschläge für das erfolgreiche Scheitern – das sind also nicht mal zehn Cent pro Ratschlag! Ein Schnäppchen!! Und das Geld ist gut angelegt für lebensnahe und realistische Lebenshilfe. Kein einziger Cent wurde für unnötig schmückendes Beiwerk verschwendet. Keine teuren Hörbuch-Sprecher engagiert. Keine besserwisserischen Lektoren angeheuert. Keine kleingeistigen Zensoren beschäftigt. Keine phrasendreschende und seitenschindende Textluftpumpe angesetzt. Sie erhalten reinen, puren Content – nur für Sie und Ihre Selbstverkommnung!
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Der „Apple-Faktor“ jetzt auch als eBook

Seit zwei Monaten ist „Der Apple-Faktor“ nun auch als eBook verfügbar. Ja, in so einem schnelllebigen Medium wie dem Online-Business sind zwei Monate eine lange Zeit. Aber immerhin habe ich es überhaupt mitbekommen (BOD hatte das ja selbstständig gemacht und mich gar nicht dafür gebraucht). Und ich stelle mal wieder fest, dass erstens eBook zwar eine nützliche und praktische Erfindung sind, ich aber immer noch lieber auf Papier lese. Und dass zweitens ich endlich mit der Fortsetzung vorankommen sollte.

Wen es interessiert: Ich bin zwar weit hinter meinem Zeitplan, aber bereits ungefähr in der Mitte. Das verringerte Tempo kann ich mit jeder Menge anderer Aufgaben, Projekte, Arbeiten erklären. Bei dem Tempo muss ich nur aufpassen, dass mich die Realität nicht allzu oft überholt ;-) Aber noch bin ich zuversichtlich.

Hier jetzt also die offiziellen Links:
Amazon: eBook für Kindle
iTunes: eBook für iBooks (iPad und bald Mac)

Früher war alles besser? Das gilt nicht für Filme.

Das Lobpreisen vergangener Zeiten ist eine beliebte Redefigur: „Früher war alles besser.“ Bei näherer Betrachtung relativiert sich das „besser“. Was früher war, wirkt gerade im Nachhinein oft vertrauter, weniger neu und ist durch die persönliche Nostalgie meist auch emotional aufgeladen. Da der allgemeine Jammer über das heutige 08/15-Kino immer wieder zu hören ist, bin ich der Filmkultur einmal nachgegangen.

Die „heutigen Filme“ repräsentieren die Top10-Filme der Jahre 2003 bis 2012, und die früheren Filme werden durch die Top10-Filme der Jahre 1968 bis 1977 vertreten. So können wir zwei Filmjahrzehnte mit je 100 Filmen miteinander vergleichen. (Aufgrund der Datenlage konnte ich leider nicht die Jahre 1963 bis 1972 heranziehen – was ich lieber getan hätte. Aber ich hatte erst ab dem Jahr 1968 halbwegs zuverlässige Zuschauerzahlen entdecken können.)
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Webdesign mit Indesign oder Photoshop?

Wer eine Website gestaltet, beginnt mit einer Bleistiftskizze. Als nächster Arbeitsschritt ist ein anständiges Layout nötig. In den vergangenen Jahren hat sich dafür Photoshop etabliert. Es gibt jedoch zahlreiche Gründe, InDesign den Vorzug zu geben. Natürlich ist es immer eine Frage der persönlichen Vorlieben, Gewohnheiten und Erwartungen des Auftraggebers. Also gilt es, in jedem Fall individuell abzuwägen.
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Bekehrte Heten und Erfüllte Träume

Im Film „Freier Fall“ entdeckt die Hauptfigur Marc (Hanno Koffler), dass man(n) trotz Freundin und Sohn eine Affäre mit einem Mann erleben kann. Dieses Gefühlsdreieck und dessen Konsequenzen werden in einer Kargheit und dokumentarischen Direktheit erzählt, die unbewusst an „Brokeback Mountain“ denken lassen. Hier wie dort geht es allerdings nicht um ein primär schwules Thema (also kein dramatisches Coming Out, bedeutungsschwere Selbstzweifel oder ähnliches), sondern um die Liebe zu einem anderen Menschen. Um die Liebe, die überraschend kommt, weil man(n) sie von dieser Seite nicht erwartet hätte.

Homophobie ist in beiden Filmen wichtiges Nebenthema, aber dominiert nicht die Stimmung des Films. So wie der wortkarge und stille Ennis del Mar (Heath Ledger) in „Brokeback Mountain“ keinen Ausdruck für sein Begehren findet, so fehlen auch Marc die Worte. Er kann sich, seine Wünsche, seine Ziele, sein Sehnen nicht verbal ausdrücken, und wirkt gerade deshalb in seinem Handeln umso lebendiger und realer. Gesten, Blicke, ungesprochene oder ungelenke Worte erzählen mehr als viele Zeilen Dialog.

Und in beiden Filmen findet ein heterosexueller Mann durch das Begehren und Drängen eines Homosexuellen zu jener neuen Facette seiner Sexualität. Zählen wir jetzt noch Christian aus „Verbotene Liebe“ dazu, dann haben wir drei präsente Fälle, in denen der „schwule Traum vom Heten-Bekehren“ wahr wird.
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Bettina Wulff schwul?

Unsere Ex-First-Lady will alle digitalen Zweifel über ihre einstige Würde beseitigen lassen. Dabei gehören Zweifel doch erstens zur Meinungsbildung und zweitens zu einer modernen Demokratie dazu. Aber unbedingter Glaube an das Hehre und Gute müssen natürlich zweifelsfrei erkennbar sein. Deshalb darf auch Google nicht vorschlagen, den Suchbegriff „Bettina Wulff“ um „Rotlicht“ zu ergänzen. Jedenfalls will Bettina Wulff dies verhindern und klagt nun gegen Google. Den Prozessauftakt hatte man verschieben lassen, bis das Bundesverfassungsgericht in einem ähnlich gelagerten Fall entschied (mehr dazu im Heise Newsticker).

Jeder darf das finden, wie er oder sie es möchte, meine Einschätzung: kleingeistig, retro und undemokratisch … achja, und realitäts- und technikfern.
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Was will Technologie?

Kevin Kelly, Mitgründer des „Wired“-Magazin, hat der Technologie einmal auf die Finger geschaut und liefert eine inspirierende Betrachtung über das Wesen von Technologie. Für ihn ist – in einer provokanten Verkürzung – Technologie die nächste Evolutionsstufe. Dabei versteht er Technologie nicht als konkrete Maschine, sondern als technisches Prinzip. Er argumentiert, an irgendeiner Stelle in der technischen Entwicklung war die Erfindung der Dampfmaschine beispielsweise unausweichlich – die konkrete Gestalt jedoch war durch die Kultur, den Einsatzzweck und das Können des Erfinders beeinflusst.
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Am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig

Die ersten ernstgemeinten Sommersonnenstrahlen brachten so etwas wie Frühlingslaune und schürten die Sehnsucht, den Kopf mal wieder aus dem Berliner Großstadtmoloch zu bekommen. Warum die Wahl ausgerechnet auf Leipzig als Reiseziel fiel, ist schwer nachzuvollziehen. Vermutlich liegt es daran, dass Leipzig nicht allzu weit weg ist, sich dort in den vergangenen Jahren viel getan hat und dass man überhaupt auch die Städte im eigenen Land etwas besser kennen sollte.
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Steven Johnson: Future Perfect

Steven Johnson ist  von der Westküste an die Ostküste der USA gezogen: nach Marin County in Kalifornien. Das ist nur deshalb bemerkenswert, weil der m.E. wichtigste US-Autor des 20. Jahrhunderts ebenfalls in Marin County gelebt hat, Philip K. Dick. Dick hat in seinen erfolglosen Romanen, die alle erst posthum veröffentlich wurden, ein realistisch-dokumentarisches Bild der Gegend in den 1950er und 1960er Jahren gezeichnet. Wesentlich erfolgreicher war er mit seinen fantastischen Kurzgeschichten und Romanen (wie Ubik, Blade Runner, Das Orakel vom Berge). Steven Johnson hat mit „The Ghost Map“ und „The Invention of Air“ ebenfalls realistische – historische, fast im Geiste des „New Historicism“ – Erzählungen vorgelegt.

Und nun das: Steven Johnson entpuppt sich als Agitator und Weltverbesserer! Er entwickelt eine Art Utopie und sieht viele Anzeichen für eine Verbesserung des Allgemeinzustandes der Welt. Damit befindet er sich in guter Gesellschaft, denn bereits Oscar Wilde stellte fest:

A map of the world that does not include Utopia is not worth even glancing at, for it leaves out the one country at which Humanity is always landing. And when Humanity lands there, it looks out, and, seeing a better country, sets sail. Progress is the realisation of Utopias.


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