Verschwindet N24 in der Bedeutungslosigkeit?

Die Loveparade findet in Duisburg statt. Und in allen Nachrichtensendungen. Überraschenderweise kaum bei N24.

Vor etwa einem Jahr ist Michael Jackson gestorben. N24 stellt sein Programm um und bringt bis spätabends Sondersendungen zum Thema. Und ich muss zugeben, es blieb erstaunlich pietätvoll und motivierte nicht zum Abschalten. Der Mitbewerber n-tv war in dieser Hinsicht nicht so erfolgreich, weder in der Wirkung noch in der Motivation.

Nur um es klarzustellen: Ich spreche von Nachrichtensendern. Von Fernsehsendern, deren Hauptgeschäft es ist, Nachrichten zu senden. Im Gegensatz zu Kindersendern, Wetterkanälen, Spielfilmsendern und Vollprogrammen. Nachrichten sind Informationen, die durch ihre aktuelle Relevanz berichtenswert sind.

Ein Jahr nach Michael Jacksons Tod (1 Person in Übersee) findet die Loveparade in Duisburg statt (erst 15, letztlich 19 Tote im Sendegebiet). N24 hat während dieser zwölf Monaten einen neuen Besitzer bekommen, seine Dokumentationen gegen neue ausgetauscht und behauptet weiterhin, dass sie ein Nachrichtensender seien.

Das ZDF, das nicht behauptet, ein Nachrichtensender zu sein, bringt in einer „heute“-Sendung mehr zum Thema Loveparade als N24 innerhalb von vier Stunden. Ein Vollprogramm-Sender, dessen Nebengeschäft (!) Nachrichten sind, beweist mehr Kompetenz und Reaktionsvermögen als ein Sender, dessen Hauptgeschäft (!) Nachrichten sind. Die Internetseite von N24 liefert mehr Informationen als deren Nachrichten.

Man hätte auch zwei Moderatoren/Nachrichtensprecher ins Studio setzen können, die wenigstens die aktuellen Meldungen der Nachrichtenagenturen melden – und sei es nur alle Viertelstunden ein dreiminütiges Update und Zusammenfassung, Dokumentationen muss man doch unterbrechen können … Das hätte zumindest den gebotenen Anstand auch in Zeiten gekürzter Budgets bewiesen. Jedenfalls mehr Anstand als Dokumentationen über Kugelfische, Brücken, Bagger oder Kröten.

So verspielt man Anerkennung und seine Bedeutung als Konkurrent im Nachrichtengeschäft. Ich bin enttäuscht. Nicht, weil N24 die Liebe meines Lebens ist, sondern weil es darin scheitert, was es eigentlich gut kann: Nachrichten. Dass sie es können, haben sie in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen. Umso schmerzlicher ist die jüngste Entwicklung.

Alexander Florin: Alexander Florinein Kind der 70er • studierter Anglist/Amerikanist und Mediävist (M.A.) • wohnhaft in Berlin • Betreiber dieses Blogs zanjero.de • mehr über Alexanders Schaffen: www.axin.de ||  bei Google+ || auf Twitter folgen

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