Flimmernde Liebe

Die Akademie für Listenbildung gab einen Katalog mit Filmen heraus, die als „lehrreich für Paare“ eingestuft wurden.

„Love Story“ (1970)

Der Schlüsselsatz „Liebe heißt niemals um Verzeihung bitten zu müssen“ ist verkitschter Blödsinn und daher wird allen romantikgefährdeten Paaren dieser Zelluloid gewordene Liebe-überwindet-alle-Schranken-Schmachtfetzen zur Abschreckung empfohlen.

„Love and Death“ (1975)

Geeignet, um sich auf das gemeinsame Eheleben vorzubereiten und als Gesprächsleitfaden für die Lebensplanung empfohlen: „Ich hätte gern drei Kinder.“ – „Ohja, eins von jeder Sorte.“

„Titanic“ (1997)

Völlige Zeitverschwendung; wann ist man schon einmal gemeinsam auf einer derart langen Kreuzfahrt unterwegs, das Schiff geht unter und niemand hat ein Handy dabei, um Hilfe zu holen.

„Das Leben des Brian“ (1979)

Offen und ungeschönt zeigt dieser wertvolle Beitrag neben der Liebe zu einer höheren Macht die Möglichkeiten der irdischen Liebe auf, ohne sie zu diffamieren und behandelt das Transgender-Thema auf einfühlsame Weise: „Ich möchte, dass ihr mich von jetzt an Loretta nennt.“ – „Aber du hast keine Mumu!“

„Romeo und Julia“ (u.a. 1936, 1954, 1955, 1969, 1968, 1972, 1996)

Für die Lebenspraxis völlig ungeeignetes Liebesmodell; dieser Film konfrontiert mit den Gefahren der Unmäßigkeit der Liebe, die immer wieder im gemeinsamen Tod enden. Nicht zur Nachahmung empfohlen, aber durchaus als Einleitung für Diskussionsrunden über die Nützlichkeit von Küchengeräten geeignet.

„StarWars“ (1977, 1980, 1983, 1999, 2002, 2005)

Dieser Film ist unumgänglich, wenn es darum geht, Raumschiffe durchs Weltall fliegen zu sehen. Außerdem demonstriert er, wie Liebe nerven kann, wenn sie in Dialog gegossen wird.

„Moulin Rouge“ (1999)

Kitsch as Kitsch can. Empfehlenswert für alle Liebenden mit Gesangsausbildung. Sehr gutes Beispiel dafür, dass echte Liebe mehr Spaß macht als die zu irgendeinem reichen Duke. Am Ende ist die Frau wieder einmal tot.

„Mary Poppins“ (1954)

Einfach toll: die Eltern sind verheiratet, weil die Frau zwar Frauenrechtlerin ist, sich aber noch nicht traute ihn zu verlassen, die Kinder sind verzogen, und Mary Poppins haben alle lieb, aber keiner liebt sie als Frau. Gefühlsmäßiger Realismus pur in charmanter Technicolor-Atmosphäre.

„Interview mit einem Vampir“ (1994)

Dieses Interview zeigt sehr deutlich, dass auch Vampire Beziehungsstress haben können. Und wer hatte noch nie den Drang, seinen Partner loszuwerden? Anschauungsunterricht für die Stunden nach Einbruch der Dämmerung.

„Pretty Woman“ (1990)

Das gezeigte Karrieremodell wird von der Akademie als verwerflich eingestuft, ihr Lächeln als waffenscheinpflichtig und sein Geschäftsgebaren als unschön. Doch am Ende wird alles gut, denn mit dem Abspann ist das Märchen vorbei.

„Dirty Dancing“ (1987)

Beweis, dass Tanzen immer besser für eine Beziehung ist als Singen, denn in der Sprache des Tanzes kann man einfach nicht so viel Blödsinn ausdrücken wie mit Worten.

„Der Stadtneurotiker“ (1977)

Beweis, dass Reden immer besser für eine Beziehung ist als ignorieren: „Ich habe Kopfschmerzen.“ – „Dann bekommst du bestimmt deine Periode.“ So werden alle Missverständnisse, die schnell zu einer Trennung führen könnten, beseitigt. Achja, am Ende haben sich beide wieder getrennt, also scheint reden auch nicht zu helfen. Aber als Anschauungsmaterial für Beziehungsaspekte bestimmt geeignet, die Akademie hat eine Kommission mit der Bildung eines Ausschusses zur Erörterung beauftragt.

„Schau mal, der Pinguin lächelt“ (1896)

Dieser Kurzfilm demonstriert eindringlich die wohltuende Wirkung eines freundlichen Gesichtsausdruckes auf die Gesprächsatmosphäre.

„2001“ (1968)

Außerordentlich empfehlenswert, weil es mal nicht um Beziehungen geht und es sich im dunklen Kino gut schmusen lässt. Außerdem hat HAL so eine erotische Stimme.

„Die Schöne und das Biest“ (1991)

Positiv: Manchmal muss sich eine Liebe erst ganz langsam aufbauen; besonders wenn das Äußere des künftigen Partners nicht ganz den Wünschen entspricht, ist viel Geduld und Gesang nötig. Negativ: Es wird die Hoffnung geweckt, dass sich mit Liebe die äußere Erscheinung verbessern ließe; in der Realität war dieser Effekt jedoch erst sehr selten zu beobachten.

„Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ (1993)

Nachdrücklich vertritt dieser Film über acht Freunde, fünf Pfarrer, elf Hochzeitskleider, sechzehn Schwiegereltern, zweiunddreißig Brautjungfern und zweitausenddreizehn Champagnergläser die These, dass Heiraten keine schlechte Idee ist und Hochzeiten eine gute Partnerbörse darstellen. Außerdem gibt er aufschlussreiche Einblicke in fremde Kulturen: „Um ehrlich zu sein, ich finde Nacktheit nicht unbedingt  attraktiv. Außerdem denken wir Engländer – ich sage das jetzt  mal ganz pauschal – ohnehin nicht zuallererst an Sex.“

Alexander Florin: Alexander Florinein Kind der 70er • studierter Anglist/Amerikanist und Mediävist (M.A.) • wohnhaft in Berlin • Betreiber dieses Blogs zanjero.de • mehr über Alexanders Schaffen: www.axin.de ||  bei Google+ || auf Twitter folgen

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