iPad mit Kamera?

Auf seiner September-Keynote stellte Steve Jobs nicht nur drei neue iPods vor (der iPod classic bleibt wohl unverändert), sondern auch das nächste Software-Update: iOS 4.2. Damit werden iPhone, iPod touch und iPad auf den gleichen Softwarestand gebracht – voraussichtlich im November. Dann erhalte, so Jobs, das iPad alle Möglichkeiten, über die auch iPhone und iPod touch verfügen, unter anderem erwähnte er in der Aufzählung der Fähigkeiten auch HDR-Fotografie. Diese Funktion hatte er gerade erst für das iPhone vorgeführt. Die Frage ist somit nicht mehr, ob das iPad eine Kamera erhält, sondern wann. Vermutlich beim ersten Update der Hardware – und dieses könnte, wenn man Jobs’ Andeutung überinterpretiert, noch in diesem Jahr anstehen.

Die Frage stellt sich mir, wozu ich im iPad eine Kamera benötige. Diese ist genauso überflüssig wie die Video-Kamera im iPod nano (4). Aber so wie dort wird sie wohl weder das Design verschandeln noch die Nutzbarkeit der nützlicheren Elemente behindern. Also bitte, wenn eine Kamera rein muss, dann soll sie halt reinkommen. Ich glaube dennoch, dass das Fehlen einer Kamera vorwiegend von Technik-Redakteuren bemängelt wurde und nicht von tatsächlichen Nutzern (also allen, die sich auf einer Erfahrungsskala unterhalb von „fortgeschritten“ einordnen würden).

Die aktuelle iPod-Palette

Die aktuelle iPod-Palette (www.apple.com/de).

Der neue iPod nano ist bereits das zweite Nano-Modell, das mich nicht interessiert (das vorige war die fast quadratische zweite Generation). Ich will auf so einem kleinen Gerät keine Touch-Bedienung. Ich will fühlbare Tasten, um nicht auf den Bildschirm gucken zu müssen, wenn ich einen Titel weiterspule. Ich will das Gerät nicht mit einer zweiten Hand halten müssen, damit ich es mit der ersten bedienen kann. Im Alltag dürfte sich der neue Nano vermutlich nicht so erfolgreich durchsetzen wie die dritte und vierte Generation. Zum einen ist die Bedienung für so ein Nebenbei- oder Begleit-Gerät aufwändiger als nötig. Zum anderen ist sie quadratisch. Diese Form bringt Apple öfter Unglück als Glück:

  • Der Cube war ein Flop (ist aber ein tolles Sammlerstück!).

    Der Cube kam 2001 heraus, war jedoch nie sonderlich erfolgreich – heute ist er Kult.

    Der Cube kam 2001 heraus, war jedoch nie sonderlich erfolgreich – heute ist er Kult.

  • Der zweite Nano war nicht sonderlich erfolgreich (hatte beinahe quadratisches Format).
  • Das AppleTV hatte quadratische Grundform – blieb ein Nischenprodukt (ob sich das jetzt mit der verkleinerten Quadratgrundform ändert?).
  • Der Mac mini ist nicht der Hit, der ihm vergönnt gewesen wäre (das lag aber wohl auch mit am Preis, es wäre falsch, einer geometrischen Form die Alleinschuld zuzuweisen).
  • Die Time Capsule ist wohl ein solide laufendes Produkt, aber auch weit von einem „Hit“ entfernt.
  • Nicht direkt ein Quadrat, sondern eher das runde Pendant dazu, war die alte iMac-Maus („Puck“ genannt) in jeder Hinsicht unbeliebt.

Das einzige halbwegs erfolgreiche quadratische Gerät war der iPod shuffle (2), der jetzt in verkleinerter Version wieder auferstanden ist. Nun ist eine geometrische Grundform zwar kein ernstzunehmendes Kriterium, aber die formale Strenge (die einem Quadrat geometrie-bedingt innewohnt) beißt sich m.E. mit dem unterhaltsamen Zweck des Geräts. Daher scheint mir, dass bei allen unterhaltungsbezogenen Geräten (wie eben iPod) oder Geräten mit direktem Nutzer-Kontakt (Cube, Maus, AppleTV) die Form die Verkaufschancen stärker sinken als bei rein technischen Aufgaben (wie Time Capsule). Die emotionale Bindung zu einem Quadrat ist eben aufgrund seiner artifiziellen Erscheinung deutlich geringer als zu anderen Formen, die ihre mathematische Exaktheit nicht so offensichtlich thematisieren.

Icon von iTunes 10.

Icon von iTunes 10.

Runde Formen scheinen dem Unterhaltungscharakter eher zu entsprechen, eckige Programm-Icons jedenfalls stehen immer für Arbeit. Daher ist das neue iTunes-Icon ganz offensiv und betont rund, während Mail-, Kalender-, Adressbuch- und Textprogramm eine klare quadratische Grundform besitzen. Auch die Adobe-Programme basieren auf farbigen Quadraten, nur Microsoft tanzt aus der Reihe und verpasst seinen Office-Programmen eigenwillige Icons ;-)

Mein Programm-Schnellstarter gibt einen schönen Überblick über die Icon-Vielfalt.

Mein Programm-Schnellstarter gibt einen schönen Überblick über die Icon-Vielfalt.

Meine Programm-Liste bestätigt den Befund: Je weniger quadratisch ein Icon ist, desto weniger dient es der Arbeit bzw. desto weniger soll das Programm Arbeit bedeuten. Als einzige Ausnahme fallen mir nur das Mamp- und die MS-Office-Icons auf. Browser als Zwitter-Programme (Information, Spaß, Arbeit) besitzen ebenfalls runde Icons. Auch das TexShop-Icon (einer der besten Latex-Editoren!) fällt aus dem Geometrie-Schema.

Nur ein Gedanke, aber ich fand ihn jetzt zu interessant, um ihn für mich zu behalten. Gegenstimmen? Kommentieren.

Alexander Florin: Alexander Florinein Kind der 70er • studierter Anglist/Amerikanist und Mediävist (M.A.) • wohnhaft in Berlin • Betreiber dieses Blogs zanjero.de • mehr über Alexanders Schaffen: www.axin.de ||  bei Google+ || auf Twitter folgen

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