Kudrun

Mein Referat zu männlichen Identitäten in „Kudrun“: Hagen, Hetel und Wate. Das Handout als PDF laden:

Den Text als formatierte PDF ladenPDF laden

„Men decide, they attack, they defend, they own, they rule. Regularly they also marry, and when they do, they occasionally allow some restricted female participation in the arrangements (by queen, mother, occasionally even bride).“ (Frakes, Jerold C. „Brides and Doom“, S. 264)

Schlüsselwörter:

  • übermuot
  • milte, genade
  • maze
  • minne, friuntschaft
  • ere
  • tugent
  • staete
  • triuwe
  • rache

Fragen

Wird Männlichkeit in der Kudrun nur über Geschlecht bestimmt; welche Rollenbilder gibt es?

Wieviel Christlichkeit steckt in Hetel; mehr als in Hagen? Behauptung: Hagen wird christlich geredet, Hetel handelt unterm Strich christlicher.

Ein Text der Topoi/Schemata und Spiegelbilder:

  • Ist Ludwig Wates Spiegelbild? Behauptung: ja.
  • Ist Hagens Brautwerber-Abweisung die Vorwegnahme von Hetels? Behauptung: ja, mit der Einschränkung, dass Hetel weniger unreal überhöht erscheint, z.B. tötet er die Bewerber nicht.
  • Fällt Hagen in die Kategorie des topischen Christen-Helden, ist Hetel der topische höfische Held und Wate der Held nach altem Muster? Behauptung: Es scheint so.

Warum eilt Wate zur Schlacht, obwohl er nicht gerufen wurde (1091)? Behauptung: Aus Rücksicht auf sein Alter und die verlorene Schlacht bei Wülpensand wird Wate nicht gerufen, kommt aber aus triuwe und zur rache von selbst mit (Heldenethos).

Sind die Männer schuld an der Gewalt? Behauptung: Nein. Entweder ist der Ursprung unirdisch (Greif) oder ungenannt (Siegeband ./. derer von Garade) oder Anstiftung von Verwandten (Werbung) oder Gerlint.

Hagen

nach (Gabel, Martin „Analyse des christlichen Ethos der ’Kudrun‘“ www.hausarbeiten.de/rd/faecher/hausarbeit/lim/214.html) Christlich gezeichnet:

  • Taufe (22)
  • Entführung durch Gesandten des Teufels (54)
  • Gottergebenes Erdulden, Leid als Prüfung (62)
  • Gottes Walten, seine Güte und Gnade (68, 69, 73, 74, 81, 105, 121, 125)
  • Christsein (76, 78, 111)
  • Kirchliche Inthronisation (179)

Im Handlungsverlauf werden typische Themenkomplexe bearbeitet

  1. Erziehung eines Ritters (Sigeband, Hagen)
  2. Eigenschaften eines Königs (Ger, Sigeband, Hagen)
  3. Konflikt 1: Kampf mit feindlicher Natur in Form von Ungeheuern (Greife, Gabilun, Löwe)
  4. Konflikt 2: Kampf mit Gegnern (Graf von Garade)
  5. Die Veranstaltung von höfischen Festen (Buhurt in 1. Av., Empfang Hagens in 4. Av.)
  6. Erkennungszenen (Hagen – Königinnen; Hagen – Graf von Garade; Hagen – Eltern)
  7. Begrüßungszenen (Hagen – Eltern)
  8. Schwertleite (4. Av.)

Hagen als Name und seine Eigenschaft als wilder, übermenschlich starker, grausamer, die Werber um seine Tochter Hilde tötende Herrscher, gehört aber sicher zur Tradition des Hildestoffes. Insofern wäre die von dieser Tradition der Aussageabsicht nach abweichende Darstellung von Hagens Jugendgeschichte bis zur Schwertleite Hagens eine „freie Erfindung“ des Autors […].

„wild“: 106, 124, 198, 199, 226, 239, 250, 255, 259, 312, 315, 319, 337, 353, 362, 381, 408, 433, 447, 492, 509, 519, 527, 553, 566

Hetel

Lehnsherr, der zu sehr (?) auf seine Verwandten hört (648) Überlegener Herrscher

„der künic was sô biderbe, man gefriesch nie bezzer landes herren.“ (565,4) übernimmt Hagens Abweisung der Brautwerber, jedoch ohne zu töten

vorbildlicher Krieger, der die Schlacht eher vermeidet als sucht

Wate

Schon bei Einführung „alt“ (240) (oft als Gegensatz „der alte Wate ./. der junge Hetel“) Lieber direkt und offen als hinterhältig (253)

Charakterisierung in Szene mit Hilde (ab 340), z.T. dialogisch durch andere berichtend:

  • Lieber kämpfen als bei Frauen sitzen
  • Verheiratet, Kinder
  • „swie sanfte sô er gebâre, er ist ein mærer helt ze sînen handen.“ (348.4)

medizinisch gebildet (529)

Erzieher von Hetel und dessen Sohn Ortwin (574)

Rache und direkte Konfrontation (825, 884) [anstelle bsp. höfischer Ersatzrituale] Setzt im Kampf Energie frei (stets als grimm bezeichnet z.B. 882)

Pragmatismus

  • Wichtiger als Gottesdienst (838, 843)
  • Flottenprogramm (945)

Heldenzorn und Übermut werden zur situationsbedingten Rolle (Kerth, Sonja „Versehrte Körper“, S. 264)

Alexander Florin: Alexander Florinein Kind der 70er • studierter Anglist/Amerikanist und Mediävist (M.A.) • wohnhaft in Berlin • Betreiber dieses Blogs zanjero.de • mehr über Alexanders Schaffen: www.axin.de ||  bei Google+ || auf Twitter folgen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.