Computer im Kino: Glossar

Die wichtigsten Begrifflichkeiten werden hier kurz vorgestellt und erläutert. Dies Glossar soll kein Lexikon o.ä. ersetzen, sondern nur gewährleisten, dass das grundsätzliche Verständnis aller Begriffe geklärt ist bzw. erkennbar ist, in welcher Bedeutung (mitunter auch Bedeutungsverengung) ich einen Begriff verwende.

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Autor: Person, die als alleiniger Urheber eines Werkes angesehen werden kann. Da dies im arbeitsteiligen Prozess eines › Kinofilmes nur selten gegeben ist, verwende ich den Begriff nur spärlich; auch der sogenannte „implied author“ ist für meine Argumentation irrelevant. Stanley Kubrick hatte nach zahlreichen Berichten eine solche Kontrolle über Entstehung und Präsentation seines Werkes ausgeübt, dass in diesem seltenen Fall der Begriff „Film-Autor“ angemessen ist.

Computer: Technische Geräte zur Speicherung, Übertragung, Verarbeitung von Informationen und Steuerung (› EVA-Prinzip). Können nur in vorbestimmten Bahnen „denken“, also nach vorgegebenen Kriterien Optionen wählen, sind nicht selbst zu › Entscheidungen fähig. Die Vernetzung mehrerer Computer erhöht die Quantität nicht die Qualität der Funktionspotenziale. (Kapitel 2.1)

Dokumentation: Ein › Film, dessen Ziel nicht die Darstellung einer › Handlung ist, sondern der darauf abzielt, die Wirklichkeit bzw. Aspekte der Wirklichkeit unverfremdet zu präsentieren; die › „Story“ ist › faktual. Die Zusammenstellung von dokumentarischem Film-Material (das im Gegensatz zu › fiktionalem › Kino eine faktuale Relevanz beansprucht) zu einem Dokumentarfilm oder einer Dokumentation kann interpretierend, handlungssimulierend oder -begleitend erfolgen, entscheidend ist der Zeigegestus eines neutralen Beobachters. Moderne Dokumentationen, wie jene von Michael Moore, chargieren bewusst auf der Grenze zwischen dokumentarischem Anspruch und fiktionalem handlungsgetriebenem Film. Manche Spielfilme wie Dr. Strangelove setzen bewusst einen dokumentarischen Zeigegestus ein. Typische filmische Mittel von Dokumentationen sind Halbtotale und lange ungeschnittene Einstellungen, meist mit mobiler Kamera aufgenommen.

DVD: (Digital Versatile Disc) Digitales Speichermedium, auf dem › Filme in kodierter/komprimierter Weise abgespeichert sind, meist in verschiedenen Sprachfassungen und verschiedensprachigen Untertitelungen; oft findet sich sogenanntes Bonusmaterial wie begleitende Filmkommentare. Die Bildauflösung ist etwas höher als das PAL-Fernsehformat. Im Zuge der DVD-Durchsetzung am Markt hat die › Tonpräsentation (Mono, Stereo, Surround) auch im heimischen Bereich an Bedeutung gewonnen. HD-DVD und Bluray-Disc fügen der DVD in der Art der Filmwahrnehmung nichts Wesentliches hinzu, wenn man von der höheren Bildqualität und den verstärkt eingesetzten interaktiven Möglichkeiten im Bereich des Bonusmaterials absieht.

Einstellung: Filmabschnitt, der von zwei Schnitten (› Montage) begrenzt wird. Die Kamera kann während einer Einstellung bewegt (geschwenkt, gefahren, getragen) werden, bei sehr ausführlichen Bewegungen, die mehrere Storymomente abbilden, spricht man eher von › Szene oder Plansequenz.

Entscheidung: Option, in einer bestimmten Weise zu handeln. Zu Entscheidungen sind nur › Subjekte fähig, die aus mehreren Alternativen – die alle wählbar sind – wählen können.

EVA-Prinzip: Jeder Computer besitzt laut John v. Neumann Teile zur Dateneingabe (E), -verarbeitung (V) und -ausgabe (A). Diese können in ihrer Gestalt stark differieren, jedoch ihre grundsätzliche Funktion bleibt bestehen.

Faktuales Erzählen: › Materie und › Story sind wahr; z. B. › Dokumentationen. (Kapitel 2.3.1)

Figur: Protagonist in einem Werk. Dadurch gekennzeichnet, dass er/sie potenziell in Interaktion mit anderen Protagonisten treten und eigene › Entscheidungen treffen – und somit die › Handlung beeinflussen – kann.

Fiktionales Erzählen: › Materie ist wahr, die Story ist potenziell wahr, es kann kein Beweis ihrer Unmöglichkeit erbracht werden. (Kapitel 2.3.1)

Film: Einerseits ein in sich abgeschlossenes Bild-Ton-Werk. Andererseits das Material, mit dem die Bilder für das Werk aufgenommen werden (wenn ich mich auf diese Bedeutung beziehe, verwende ich „Filmmaterial“).

Haltung: (Intersubjektiver) Rezeptionseindruck über die moralische Positionierung des Filmes (bzw. des „implied › Author“) zur Story; Zeigegestus (z. B. distanziert, empathisch, dokumentarisch) und – falls erkennbar – didaktische Absicht ergänzen sich zur Haltung (z. B. technologieskeptisch, -bejahend, -resignierend oder -verängstigt).

Handlung: Das kausale Grundgerüst eines Filmes, das sich als Plot oder › Story wiedergeben lässt: Aktion und Reaktion. Die Handlung ist sowohl chronologisch als auch räumlich kausal („weil dieses geschah, geschah später jenes“; die selbe Figur kann nicht zur selben Zeit an zwei Orten sein). Das Ignorieren klassischer Handlungsmuster/Plots kann ebenfalls eine Handlung ergeben, wichtig ist eine vom Gezeigten ableitbare Kausalität, die das Geschehen miteinander in Beziehung setzt.

Inkredibles Erzählen: › Materie ist unwahr und unrealistisch. Die › Story entwickelt innerhalb dieser Materie keine Glaubwürdigkeit, also auch nicht den Anspruch, innerhalb der nicht-realiteren › Materie potenziell wahr zu werden. (Kapitel 2.3.1)

Kino: Raum, der für das › Film-Erleben von mehreren Personen gleichzeitig konzipiert wurde. Im Gegensatz zum heimischen Film-Erleben (beispielsweise via › DVD) wird wie im Theater der Sitzplatz meist vorgegeben (bzw. ist nicht verrückbar), der Fokus im abgedunkelten Raum gilt der Leinwand, auf der der Film gezeigt wird. Durch die Raumkonzeption wird das Anschauen (und Anhören) des Films zum gemeinsamen Erlebnis, das durch möglichst wenig Nebeneinflüsse gestört wird. Mit „Kino“ wird – so auch in meinem Titel – ebenfalls die Filmlandschaft bzw. -produktion eines Landes sowie das jeweilige Film-Erlebnis in einem Lichtspieltheater bezeichnet, „amerikanisches Kino“ bezeichnet also › Filme, die für den amerikanischen Kinomarkt hergestellt werden bzw. in amerikanischen Kinosälen dem Publikum erlebbar waren – in diesem Sinne wird das Wort im Rahmen der Arbeit verwendet, im ersten Fall verwende ich „Filmtheater“.

MacGuffin: Vom Regisseur Alfred Hitchcock geprägter Begriff für ein › Story-Element, das die Figuren motiviert, die › Handlung in Gang setzt oder vorantreibt, dessen tatsächliches Sein (Eigenschaften, Details) de facto keine Bedeutung haben. In Mission Impossible ist die Noc-Liste ein solcher MacGuffin, denn es hätte auch jede andere wichtige zweiteilige Liste sein können – an der Story hätte sich dadurch nichts geändert.

Materie: Worüber erzählt wird; die Elemente des Raumes wie › Figuren, › Objekte und › Setting. Im Gegensatz zur zeitabhängigen › Story.

Montage: Das Zusammenfügen mehrerer › Einstellungen zu einer › Szene oder › Sequenz. Wird oft als das genuin filmische Stilmittel bezeichnet, da ähnliches in anderen Medien nicht existiert. Da die Aufnahme der Einstellungen für einen Kinofilm nur selten der Chronologie des Drehbuches folgt, entsteht der › Film de facto erst im Schneideraum. Durch die nicht-chronologische Arbeitsweise sind Anschlussfehler (beispielsweise falsche Bekleidung, falsches Arrangement von Requisiten) häufig, werden jedoch von der kontinuitätsuchenden menschlichen Wahrnehmung meist ignoriert. Die Kontinuitätsuche bei der Wahrnehmung ermöglicht erst › Kino, denn ein Schnitt zwischen zwei Einstellungen fällt selten bewusst auf; obwohl die kombinierten Einstellungen völlig verschiedene Inhalte haben, wird beim Filmschauen ein Sinn konstruiert, der den Schnitt unsichtbar werden lässt. Ich unterscheide nicht zwischen Szenenschnitt (Montage) und Filmschnitt (Découpage).

Narration: Wie erzählt wird; die konkrete Präsentation einer › Story mit der › Materie. In einem Erzähltext wäre es theoretisch möglich, durch Erzählerfigur, Fokus, Fokalisierung, zeitliches Arrangement und ähnliche Mittel, die selbe Story mit der selben Materie in unterschiedlichen Narrationen zu präsentieren.

Narrative Funktion: Alle › Materie-Elemente, die durch ihr Vorhandensein dazu beitragen, dass eine › Story so abläuft, wie sie es tut, besitzen narrative Funktion. Ein Element, das durch ein beliebiges anderes (oder gar sein Gegenteil) ausgetauscht werden könnte, ohne dass dies die Story beeinflusst, besitzt keine.

Objekt: (Requisit) › Materie-Element (in einer › Story), das von einer › Figur bewegt werden kann und in eine Interaktion mit dieser eingebunden werden kann. Nicht zu › Entscheidungen fähig. (Kapitel 2.4.3)

Phantastisches Erzählen: › Materie ist unwahr und nicht realiter. Die › Story besitzt dennoch Kausalität, nur ist es ihr aufgrund der Unrealität der Materie verwehrt, potenziell wahr zu sein. (Kapitel 2.3.1)

Produktion: Eigentlich die gesamte Herstellung eines › Films. Wird oft verwendet, um anzugeben, wer den Film finanziert (Produzent, Produktionsfirma/-studio) und somit – von raren Ausnahmen abgesehen – das Recht auf Endabnahme hat. Für die erste Bedeutung verwende ich der Eindeutigkeit halber „Herstellung“.

Sequenz: › Filmabschnitt, der einen größeren › Handlungsabschnitt mit mindestens zwei Foki umfasst. Besteht (von der Plansequenz abgesehen) meist aus mehreren › Szenen.

Setting: Das Umfeld, in dem sich die › Figuren befinden. Das Setting trifft keine › Entscheidungen, kann aber direkt oder indirekt die der Figuren beeinflussen. Zum Setting gehört auch das Figurenensemble, sofern dessen Vertreter nicht durch individuelle Zeichnung herausgehoben werden. (Kapitel 2.4.4)

Szene: › Filmabschnitt, der eine Einheit darstellt. Diese Einheit kann ein Dialog, eine kurze Fahrt oder ähnliches sein. Der Fokus der Filmerzählung ändert sich innerhalb einer Szene nicht wesentlich, er kann sich nur verschieben, aber nicht komplett wechseln. Eine Szene kann aus mehreren › Einstellungen (beispielsweise bei Dialogen Schuss-Gegenschuss-Montagen) bestehen (› Montage).

Story: Was erzählt wird; die In-Verbindung-Setzung von › Materie-Elementen (meist in kausaler Beziehung) zu einer › Handlung. Die Story geschieht in der Zeit. (Kapitel 2.4.1)

Subjekt: › Materie-Element (in einer › Story), das › Entscheidungen treffen kann; zumeist eine › Figur. (Kapitel 2.4.2)

Ton: Den › Film begleitende Musik, Dialoge, Geräusche werden auf der Tonspur gespeichert. Die Tonspur läuft synchron zum Bild, d.h. die jeweilige Tongestaltung ist tatsächlich zu den in dem Moment sehbaren Bildern intendiert.

WD-Effekt: kurz für „Whatever-Device-Effekt“; Bezeichnung für Geräte, die etwas ermöglichen, was realiter nicht möglich wäre, beispielsweise das Rauchen in einem Raumschiff (Thank You for Smoking, 0:35) (Kapitel 2.3.2).


Überblick über „Computer im Kino“:
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
3. Computer als Objekt
4. Computer als Setting
5. Computer als Subjekt
6. Fazit
Anhang: Glossar
Anhang: Filmverzeichnis
Anhang: Literaturverzeichnis(PDF)VG Wort Zählpixel

Alexander Florin: Alexander Florinein Kind der 70er • studierter Anglist/Amerikanist und Mediävist (M.A.) • wohnhaft in Berlin • Betreiber dieses Blogs zanjero.de • mehr über Alexanders Schaffen: www.axin.de ||  bei Google+ || auf Twitter folgen

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