MS Office 2011 für Mac

Ein Jahr nach der Windows-Version will Microsoft auch die Mac-Version herausbringen. Die Versionen haben sich seit Office 97 (Windows) und Office 98 (Mac) im guten wie im schlechten voneinander entfernt. Für Puristen waren Office 97/98 die letzten Versionen ohne unnötigen Schnickschnack, sie arbeiteten flott und enthielten alles, was man gemeinhin so braucht.

Spätestens mit Office 2007 (Windows) und Office 2008 (Mac) war der Unterschied auch den letzten klargeworden. Die Windows-Nutzer durften mit einer Ribbon-Bedienung klarkommen, den Mac-Nutzern war weiterhin die alte Bedienung vergönnt. Nun halten die Ribbons auch auf dem Mac Einzug, und mir fallen nur Gründe ein, warum ich das für eine schlechte Idee halte.

Microsoft Office 2011

  1. Das Ribbon ist nichts anderes als ein Menü – nur ohne Pulldown-Bedienmöglichkeit (Menütitel anklicken, Maus nach unten ziehen und über gewünschtem Befehl die Maustaste loslassen). Ansonsten: Rubriken, in die Befehle einsortiert sind (grafisch als Icons repräsentiert), dabei kann nur eine Rubrik auf einmal ihre enthaltenen Befehle zeigen – was soll ein Menü anderes sein? Es gibt aber schon ein Standard-Menü am oberen Bildschirmrand – wozu ein zweites rein grafisches?
  2. Das Ribbon verschwendet Bildschirmplatz in der Höhe. Monitore werden immer breitbildiger, während die normale Din-A4-Seite weiterhin im Hochformat beschrieben wird. Durch das Ribbon fehlt mir Bildschirmplatz in der Höhe, und ich kann nur etwa sieben Zeilen gleichzeitig sehen.
  3. Die Toolbox kann neben dem Dokumentfenster platziert werden und ist eine Mischung aus Ribbon, Symbolleiste, Schnellzugriffsmenüs und nützlichen Toos. Keine andere Entwicklung hat meine Arbeit mit Word und Excel so verbessert wie diese Toolbox. Und das Wichtigste: Ich kann sie neben mein Dokumentfenster legen, sodass ich fast die gesamte Bildschirmhöhe zum Arbeiten habe, damit habe ich mindestens zehn Zeilen im Blick.
  4. Damit ich das komplette Ribbon (als zweites Menü) im Blick habe, muss ich das Fenster so breit aufziehen wie möglich. Damit ich möglichst viele Zeilen auf einmal sehen kann, muss ich den Zoomfaktor wieder reduzieren. Dadurch entstehen ungenutzte graue Bereiche (wie diese Screenshot-Gallerie ausführlich zeigt).
  5. Es gab einen Grund, warum Apple Menü und Fenster voneinander getrennt bzw. nie miteinander vereinigt hat. So ist das eine nicht vom anderen abhängig. Ich kann in einem winzigkleinen Programm- bzw. Dokumentfenster dennoch ein unglaublich mächtiges Menü unterbringen, eben weil es nicht vom Fenster, sondern von der Bildschirmbreite abhängig ist. Dadurch kann ich stets sehen, welche anderen Fenster ich im Hintergrund noch geöffnet habe und habe keinen Bildschirmplatz durch unbenötigte graue Flächen verschwendet.

Für mich gibt es bislang nur eine Antwort auf diese Entwicklung. Ich habe einen Mac, weil ich dessen Umgang mit Menüs, Fenstern und deren Zusammenspiel gegenüber Windows für deutlich überlegen halte. Führt Microsoft jetzt mit Office die Windows-Logik auf dem Mac ein, muss ich mir gründlich überlegen, ob ich dieses Programm kaufe. Derzeit tendiere ich zu Nein. Es gibt Alternativen wie OpenOffice und iWork.

Mit Pages habe ich bereits alle relevanten Dokumente nachempfunden, ich glaube, mir wird Word nur selten fehlen. Was mir bislang gar nicht fehlt, ist die fehlerhafte „Zurück“-Funktion bei Office 2008. Mit <cmd><Z> kann ich zwar jederzeit Aktionen rückgängig machen, aber einmal rückgängig gemachte Aktionen lassen sich – im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Programmen der Welt – nicht wiederherstellen. Das ist blöd.

Microsoft, ich habe euer Office-Paket trotz des zuletzt benannten Fehlers immer verteidigt. Ich habe alle darauf aufmerksam gemacht, dass ihr nicht sooo schlecht sein könnt wie euer Ruf, denn das Office-Paket für Mac ist gut (trotz des erwähnten Fehlers), vor allem wegen der Toolbox, die eben nicht modal funktioniert wie die Dialoge in der Windows-Version. Aber ich werde mal schauen, wie weit ihr bei der nächsten Office-Version geht, oder ob ihr es schafft, einen sinnvollen Kompromiss aus Menüzeile, Ribbon-Idee und Toolbox zu schaffen.

Nachtrag

Wie die c’t in ihrem Test von Office 2011 für Mac (22/2010, Seite 78f) folgende schreibt, lässt sich das Ribbon auch ausblenden oder gar ganz abschalten. Die Menübedienung bleibt jedenfalls komplett erhalten. Wenn die Toolbox erhalten bleibt, wäre es ja vielleicht doch noch einen Blick wert … Es gibt ja eine kostenlose Testversion … Allerdings bin ich inzwischen mit den Nicht-Microsoft-Lösungen so zufrieden, dass ich zumindest Word eigentlich nicht mehr benötige …

Alexander Florin: Alexander Florinein Kind der 70er • studierter Anglist/Amerikanist und Mediävist (M.A.) • wohnhaft in Berlin • Betreiber dieses Blogs zanjero.de • mehr über Alexanders Schaffen: www.axin.de ||  bei Google+ || auf Twitter folgen

2 Kommentare

  1. Pingback: Word stirbt | zanjero.de

  2. Diese Verschlimmbesserung der Bedienung der Office-Programme werde ich nicht mitmachen. Das intuitive Wissen, das man sich für eine schnelle Bedienung von Office über Jahre hinweg – bei mir z.B. seit Word 5.0 – angeeignet hat, ist plötzlich wertlos. Einfachste Funktionen müssen lange gesucht werden und man wird vom Arbeiten abgehalten. Nein, ich will nicht wissen, wie ich welche Funktionen nun erreiche; ich möchte schnell und problemlos Texte und Tabellen herstellen. Ich erwarte, dass ein Programm sich meinen Bedürfnissen anpaßt und nicht umgekehrt. Glücklicherweise gibt es ja noch iWorks, dass langsam den Kinderschuhen entwachsen ist…

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