Fenster unter Windows

Herrje, nervt das sogenannte Windows-System! Deren Fenstermaximierungswahn zeigt seine nervenzerfetzende Fratze. Im Umkehrschluss erklärt es ein Mac-Phänomen.

Fenster können unter Windows maximiert sein, also den gesamten Bildschirm füllen. Nicht selten tun sie das und verbergen alles darunter liegende.

Liegen nun zwei Fenster des selben Programms darunter und man möchte diese unter „Windows 7“ (eigentlich Windows 6.1) aufrufen, klickt man in der Taskbar auf das Programm-Icon und erhält dann eine Liste, aus der man sein gewünschtes Fenster auswählen darf. Die Idee, dass ich beide gleichzeitig aufrufen möchte (ohne vorher das andere Fenster zu verkleinern!), kam bei Microsoft niemandem.

Konkret: Ich habe zwei Datei-Ordner, zwischen denen ich Dateien hin- und herschiebe (in meinem Fall mach ich das der Übersicht halber auch mit zwei Explorer-Fenstern). Parallel dazu habe ich ein Programm (maximiert) geöffnet, in dem ich einen Teil der Dateien sehen kann (z.B. eine selbst gebastelte Internet-Seite, deren Bild-Datei-Verzeichnis ich aufräumen will und daher ständig im Browser-Fenster die Wirkungen jeder Datei-Aktion überprüfe).

Warum kann Windows nicht einfach auf einen Schlag beim Klick auf das Explorer-Icon alle Explorer-Fenster in den Vordergrund legen (so wie der Mac auch)? Dafür gibt es zwei Gründe.

Erstens ist jedes Fenster eine eigene Programm-Instanz wie noch unter Windows XP, damit können gar nicht alle auf einmal hervorgeholt werden (wie auch der Task-Switcher via Alt-Tab zeigt). Das Gruppieren in der Taskleiste ist nur Kosmetik und hat mit den Vorgängen im Hintergrund nix zu tun.

Zweitens kann ja jedes Fenster maximiert sein. Daher wäre es doch töricht (wenn es denn ginge), alle Programmfenster auf einmal hervorzuholen, denn ein einziges maximiertes könnte alle anderen verdecken.

Aus dieser Beobachtung heraus erklärt sich im Umkehrschluss, warum es auf dem Mac bis vor kurzem standardmäßig kein Fenster-Maximieren gab. Jetzt gibt es einen Fullscreen-Modus für Fenster. Dieser ist aber völlig anders in die Schreibtischumgebung integriert, eben nicht als maximiertes Fenster, sondern als eigener virtueller Schreibtisch. Somit kann ein Full-Screen-Fenster auf dem Mac eben nix anderes verdecken. (Die fehlende Unterstützung auf dem Mac für einen zweiten Monitor im Full-Screen-Modus ist eine andere Geschichte.)

In diesem Zusammenhang erklärt sich dann auch das neue „Lion“-Feature „Mission Control“.

So hat fast jede nervige Erscheinung auch ihre didaktische Wirkung ;-)

Nachtrag

Warum aber die Taskleiste auch noch die Tabs eines Programms wie einzelne Programm-Instanzen behandeln muss, erschließt sich mir nicht. Wenn ich nur ein Internet-Explorer-Fenster mit drei Tabs habe, dann will ich beim Klick auf das IE-Icon keine Liste meiner Tabs erhalten. Ich will nicht erst aus der Liste den gewünschten Tab auswählen müssen, bevor sich irgendwas öffnet, sondern mein Fenster haben. Ich will nicht ständig doppelt und dreifach entscheiden und klicken müssen, wo doch eigentlich völlig klar ist, was ich will.

Alexander Florin: Alexander Florinein Kind der 70er • studierter Anglist/Amerikanist und Mediävist (M.A.) • wohnhaft in Berlin • Betreiber dieses Blogs zanjero.de • mehr über Alexanders Schaffen: www.axin.de ||  bei Google+ || auf Twitter folgen

Ein Kommentar

  1. Pingback: Zwei Wochen Lion | zanjero.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.