Hallo, Mary Ann

Armistad Maupins Stadtgeschichten gingen ja bereits vor einiger Zeit weiter … was ich vor über einem Jahr mit einer längeren Begeisterung gefeiert hatte … und endlich gibt es auch eine deutsche Übersetzung … behauptet jedenfalls Amazon. Ich weiß ja nicht, was deutsche Verlage reitet, jeden Schund herauszubringen, aber relevante Kulturgüter nicht zeitnah übersetzen zu können.

Diese ewiglange Verzögerung ist auch wirtschaftlich fragwürdig. Jeder, der sich auf das Wiedersehen mit den alten Freunden freut, hat sich doch bereits die englische Ausgabe zugelegt … Zumal Armistead Maupin so dicht in seiner Zeit schreibt, dass die Geschichten rund um Mary-Ann Singelton und Michael „Mouse“ Tolliver sich schon fast wieder veraltet anfühlen. Allerdings auf eine unschöne Art „veraltet“, als würde einem ein Freund die Geschichten von vor zwei Jahren als Neuigkeiten erzählen.

Das Unmittelbare von Maupins Schreibstil hat einerseits große Ähnlichkeiten zu Seifenopern. Andererseits entsteht durch die Kulisse (Ausstattung, Marken, Dekoration, Hintergrund, Anspielungen) dadurch auch immer ein sehr konkreter und enger zeitlicher Bezug, der sich schnell abnutzt. In größerer Distanz – eben zu den alten „Stadtgeschichten“ aus den 1970ern und 1980ern – trägt das zum Reiz der Texte auch heute bei. Aber bei einem so frischen Text ist eine solche Verzögerung nur ärgerlich.

Aber alle, die die alten Romane verschlungen – oder zumindest gemocht – haben, sollten dringend zugreifen!

Das Besondere an Maupins „Tales of the City“-Romanen ist, dass einem scheinbar nichts fehlt, wenn man sie nicht liest. Aber wenn man sie liest, fragt man sich, wie man die Wartezeit auf den nächsten Roman überbrücken soll. Man hat diese Figuren einfach zu gern, um sie nach den 350 Seiten schon wieder zu verlassen.

Hoffentlich ist Maupin etwas fleißiger als die deutschen Übersetzer bzw. Verlage. Ich möchte nicht wieder eine so lange Lesezeit ohne die Stadtgeschichten erleben … aber ich vermute mal, dass ich auch beim nächsten Roman auf die englischen „Tales of the City“ zurückgreifen werde. Denn gute Freunde lässt man einfach nicht warten.

Alexander Florin: Alexander Florinein Kind der 70er • studierter Anglist/Amerikanist und Mediävist (M.A.) • wohnhaft in Berlin • Betreiber dieses Blogs zanjero.de • mehr über Alexanders Schaffen: www.axin.de ||  bei Google+ || auf Twitter folgen

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