Medientheorie: Reformation und Gutenberg

Hier die Folien zu meinem Referat über Medien zu Zeiten der Reformation, in Zusammenhang mit Medientheorie und Medienwandel. Aus dem Referat entwickelte sich dann der Beitrag „Medien jenseits von Buchdruck und Fernsehen“, der in „Fragen an die Literatur“ enthalten ist.Den Text als formatierte PDF laden PDF laden

Referat zu Medientheorie

Entwicklung der Medien

Entwicklung der Medien

Die Gutenberg-Galaxis

Gutenberg-Galaxis

  • bestimmt technisch und typografisch die Formen der Wahrnehmung, des Denkens und der täglichen Erfahrung von Politik und Gesellschaft
  • Idee, Geist, Wahrnehmung und Denken sind nicht Invarianz gegenüber Kultur und Gesellschaft
  • ein Medium bestimmt nicht nur die Form, sondern auch den Inhalt der medialen Kommunikation, Unterhaltung oder Information

Bestimmt das Medium den Inhalt? (Buchdruck, elektronische Medien)

Ist das Medium die Nachricht?

einige Themen der frühen Buchdruckzeit (ca. 1450 – 1650)

  • Entdeckungsreisen
  • Renaissance der Künste und Wissenschaften
  • Reformation
  • Schießpulver und andere militärische Techniken

medialer Stoff, der diese vermittelt: Buchdruck

  • Fibeln, Handbücher
  • Flugschriften
  • => Geschwindigkeit, Verbreitung, Preis => Verfügbarkeit

Was brachte die Gutenberg-Galaxis

Was brachte die Gutenberg-Galaxis?

  • Sprache: Nationalsprache/Standardsprache, Grammatik
  • Literatur: Verbreitung, Lesekultur ./. Vorlesekultur
  • Recht: Sachsenspiegel => Gesetzestexte
  • Nation: Nationalsprache, -literatur, Kommunikationsnetzwerk
  • Wissenschaft: schriftliches Rechnen, Verbreitung
  • Handel: Rechnen

  • technische Vervielfältigung des typografischen Gedächtnisses
  • Alphabetisierung (Vorherrschaft des Sehsinns)
  • Symbolischer Raum übernimmt Eigenschaften des visuellen Raums:
    • Kontinuität
    • Uniformität
    • örtliche Zuordnung
    • => schriftliches Rechnen, mathematische Beweise

Schrift als typografisches Raster = Vorstufe der Turing-Galaxis?

Vorboten der Gutenberg-Galaxis

Vorboten der Gutenberg-Galaxis

  • Manuskriptkultur (12. Jh.) mit Ordnungselementen
    • Inhaltsverzeichnisse
    • Sachregister
    • Kaptieleinteilung
    • Trennung von Text und Kommentar
    • Redigieren, Edititeren
    • billiges Papier tatt Pergament
  • Buchdruck brachte:
    • Indizes
    • Listen
  • neue Lesehaltung
    • Meinungsstreit, Wissensvermittlung
    • stummes individuelles Lesen statt des gemeinsamen geistigen Erlebnisses
    • Vorstellung der Werktreue

Rolle der Medien während der Reformation

Medien während der Reformation

Luthers Schaffen/Veröffentlichungen

  • 1517: Die 85 Thesen
  • 1519: seit 1517 45 Einzelpublikationen in insgesamt 259 Auflagen (≈ 1.600 alte Druckseiten; gesamt ≈ 200.000 Einzelexemplare)
  • 1520: 27 Schriften (900 Seiten), 270 Auflagen, Übersetzungen; Gesamtzahl > 500.000
  • bis 1525: 287 Titel in gesamt 1,7 Mio Exemplaren
  • 1525: 133 Druckausgaben von Luthers Bibel

1524: ≈ 2.400 Druckausgaben neben Luther; insgesamt > 2 Mio Exemplare

1518 – 1525: 57 Autoren mit 172 Schriften gegen Luther

Leipziger Drucker kämpften 1524 mit Problemen, indeme das sie nichts neues, das zu Wittenberg ader just gemacht, alhir drugken und vorkaufen dörfen, also nicht von dem, welches man gerne koufft, und darnach die frage ist. Was sie mit grossen houffen bey sich liegen haben, dasselbig begert nymandts, und wenn sie es auch umbsust geben wollten.

Der Kommunikationsprozess

Kommunikationsprozess

Bei der Verbreitung und Werbung zugunsten des Neuen wirkten eine Mehrzahl von Vertretern der alten Bildungseliten und eine Minderzahl von Angehörigen neuer, literarisch noch ungeübter Gruppen zusammen, und es waren Elemente der neuen Lehre selbst, die dies möglich machten.

Jene Mehrzahl freilich, also Kleriker und Mönche, waren die eigentlichen Akteure. Von den Flugschriften her gesehen stellt sich die Reformation somit dar als Rebellion eines Teils des kirchlichen Personals gegen das herkömmliche Kirchenwesen. Freilich kommunizierten die Rebellen dabei mit den Laien; diese dürften zu ganz überwiegenden Teilen die Leserschaft gestellt haben. Die „reformatorische Öffentlichkeit“ umfasste beide Gruppen.

soziales Umfeld dieser Literatur: die Stadt („urban event“)

Unterstützung des Schriftmediums durch orales Medium: die Predigt (häufig waren Predigten der Inhalt von Flugschriften)

Der Buchdruck und die ReformationBuchdruck und Reformation

  • das eine nutzte das andere aus, demonstrierte die erfolgreiche Anwendung, zeigte Möglichkeiten, Grenzen
  • das andere wäre ohne das eine wahrscheinlich nur eine regionale „Rebellion“ geblieben
  • eine Reformation wäre ohne Buchdruck nicht in dieser kurzen Zeit möglich gewesen; zugespitzt: ohne Gutenberg hätte es Luther für uns nie gegeben.
  • Reformation = neues Medium + neuer Inhalt => Erfolg

Referat Abschluss

 

Alexander Florin: Alexander Florinein Kind der 70er • studierter Anglist/Amerikanist und Mediävist (M.A.) • wohnhaft in Berlin • Betreiber dieses Blogs zanjero.de • mehr über Alexanders Schaffen: www.axin.de ||  bei Google+ || auf Twitter folgen

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