Rezension: Computer im Kino

„Florins Buch ist, wenngleich auch kein vollständig gelungener, so doch ein brauchbarer Ansatz für eine systematische Untersuchung der Computerdarstellung im Film. Es liefert einen ersten, ausbaufähigen methodischen Ansatz, schlägt eine grobe Systematik der Film-Computer vor und zeigt – auch wenn der Autor es nicht beabsichtigt – Möglichkeiten für eine Einordnung seiner und ähnlicher Arbeiten in den Diskurs über den »Computer als Medium«. Stefan Höltgen: Die Filmlogik der Logik-Maschine. Alexanders Florins Untersuchung über „Computer im Kino“. (Rezension über: : Computer im Kino. Die narrative Funktion von Computern in us-amerikanischen Filmen. Nordersted: Books on Demand 2009.)
In: IASLonline [12.04.2011]
Dass zumindest im deutschsprachigen Raum bislang keine ähnlich umfangreiche systematische Abhandlung zum Thema vorliegt, sondern jetzt erst als Magisterarbeit reüssiert, lässt über die vorangegangenen Kritikpunkte beinahe hinwegsehen.“ Das urteilt Stefan Höltgen über mein Buch „Computer im Kino“.

Ich verspüre keinen Drang, Höltgens sehr fundierter Analyse und seinen Kritikpunkten zu widersprechen. Vielmehr muss ich leider zugeben, dass er schonungslos genau die Probleme und Fragwürdigkeiten herausarbeitet und benennt, die eine umfangreiche Überarbeitung mehr als rechtfertigen würden.

Ich kann drei Argumente zur Verteidigung anführen: Ich hatte nur sechs Monate für die Magistarbeit (das jahrelange intensive Vorarbeiten, das die meisten betreiben, zählt für mich zu einer grauen Form des Schummelns). Ich hatte eine klare Platzvorgabe von mindestens 60 bis maximal 80 Din-A4-Seiten (die ich so kreativ ausnutzte, wie es nur möglich war:-). Ich bin kein ganz so sattelfester Wissenschaftler in der Medien- und Filmtheorie mit jahrelanger Erfahrung und umfänglicher Bildung in dem Bereich, weshalb ich mich auf wenige Autoren beschränkte und das Vokabular (wie Focalizer) aus der Literaturtheorie unreflektiert auf Filme übertragen habe.

Gerade im Theorieteil habe ich mich vielleicht auch zu stark von meinem selbstgeschaffenen System treiben lassen (das ich immer noch für verdammt gut halte;-) statt mich auf andere zu stützen und dadurch Platz zu sparen, den ich für andere Aspekte dringender gebraucht hätte. So ist der kritisierte Perspektivenwechsel (Wirkung auf Publikum, Erzählperspektive, unterstellte Absichtswirkung, etc.) wirklich ein Manko. Vor allem habe ich mich zu sehr von dem vulgären Aspekt leiten lassen, die Differenz zwischen Realität und Fiktion herauszuarbeiten und zu oft diese Trennlinie betont als vielmehr die filmische Wirkung(sabsicht). Allerdings behaupte ich aus meiner Erinnerung, dass ich viele der Kritikpunkte in Fußnoten, Nebenbemerkungen oder kurzen Anmerkungen an anderen Stellen durchaus gestreift habe, leider habe ich aber beispielsweise Aspekte wie die Verwischung von Objekt- und Subjekt-Computer nicht so konsequent und nuanciert durchgezogen, wie ich es mir im Nachhinein wünsche.

Immer wieder argumentiere ich eher aus der Sicht des Computerbenutzers heraus, der seine Alltagswerkzeuge auf der Leinwand erblickt. Wie ein Kfz-Schlosser, der seinem Film-Pendant sofort Unkenntnis bei einigen Handgriffen attestiert (in 90 Prozent ist auf der Leinwand eben kein echter Kfz-Mechaniker zu sehen, sondern ein Schauspieler, der so tut, als würde er ein Kfz reparieren), so hat mich manche Inszenierung oder Darstellung mehr geärgert als wissenschaftlich interessiert. Insbesondere „Das Netz“ und „eMail für dich“ waren herbe Enttäuschungen (für mich als mitdenkender Zuschauer).

Kurzum: Ich danke Stefan Höltgen für die sehr präzise Kritik. Diese ist aus wissenschaftlicher Hinsicht mehr als hilfreich und nützlich. Aber ich möchte noch darauf hinweisen, dass die Arbeit (und die Veröffentlichung) auch im Geist der „Populärwissenschaft“ entstanden. Das Buch ist also auch für alle verständlich und nachvollziehbar, die mit Wissenschaft nix am Hut haben (die werden vermutlich aber das Theoriekapitel trotz aller Verständlichkeit einfach überblättern;-).

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Alexander Florin
Alexander Florinein Kind der 70er • studierter Anglist/Amerikanist und Mediävist (M.A.) • wohnhaft in Berlin • Betreiber dieses Blogs zanjero.de • mehr über Alexanders Schaffen: www.axin.de

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