Die Jahreszeiten von B. H. Brockes nach den Seasons von J. Thomson

Im Rahmen der Untersuchung der Rolle der Jahreszeiten in der Literatur des 17. und 18. Jahrhunderts führte kein Weg an Barthold Hinrich Brockes vorbei. Dieser hatte „The Seasons“ von James Thomson ins Deutsche übersetzt.

Den Text als formatierte PDF ladenReferat-Skript (50 KB)

Wie bei Referats-Skripten üblich, besteht es nur aus Stichworten. Das zeitliche Umfeld wird skizziert und einige Feststellungen über die Epoche und die dem Text beigefügten Kupferstiche getroffen. Darüber hinaus gibt es noch so n paar nette Gedanken, die bei einer Betrachtung dieser vielen, vielen Verse Dichtkunst weiterhelfen können. Hoffe ich zumindest.

Den Text als formatierte PDF ladenDas Handout (750 KB)

Das Handout fiel dafür recht üppig aus. Jede Jahreszeit wird in der Brockesschen Zusammenfassung, dem Kupferstich und einigen Textauszügen (englisch und deutsch gegenüber) vorgestellt. Außerdem gibt es noch kurze Biographien der beiden Dichter.

Das Skript

Poetry 1700 – 1740

  • pastorale Dichtung, Orientierung an Vergils „Georgica“
  • vorwiegend Kompendiencharakter
  • Ersatz für das Epische: Entstehung des Kosmos
  • betrachtend/beobachtend, philosophisch, z.T. didaktisch, unerschrocken beschreibend
  • keine andere Poetry-Epoche war so wenig egozentrisch
  • -> nicht emotional (nur als Erkennung des Göttlichen, des Universums, vom Erfassen „the wisdom of God manifested in the works of the creation“)
  • Poetry erschien weniger höfisch als von ländlichen Pastoren verfasst (was z.T. zutraf)
  • im Wettstreit mit den Landschaftsmalern
  • neue Sicht auf die Welt (Malerei, Wissenschaft)
  • „the subject of a poem is the manners of men, not natural causes“ galt nicht mehr
  • Poeten
    • ergründen die Mysterien von Farbe und Licht (Optik)
    • ergriffen von Erkenntnissen der Naturwissenschaften (Geographie, Botanik, etc.)
    • beeindruckt von der Marktausweitung (global) – laut im Lob der Freiheit
    • bewegt von einem Sinn fürs Patriotische
    • sprachen sich für Häuslichkeit aus
  • -> häufig langweilig für heutige Leser (Sprache erscheint akademisch)
  • Ablehnung/Ablegung der alten logisch-dialektischen Strukturen

James Thomson: Leben

11.09.1700 – 27.08.1748

  • Jugend und theologisches Studium in London
  • ab 1725 in London
  • zu Lebzeiten für seine Theaterstücke bekannt
  • Interesse für
    • Naturphilosophen Anthony Shaftesbury (1671-1713) und
    • Naturwissenschaftler Isaac Newton (1643-1727)
  • Autor der engl. Nationalhymne „Rule Britannia“

James Thomson: „The Seasons“

  • Anteilnahme an Vorgängen der Natur
    • weist auf Romantik voraus
    • doch Verhaftung im Klassizismus
      • typisierende Tier- und Pflanzenkataloge
      • Personifikationen
      • preziös anmutend, reich an Latinismen und Epitheta)
  • Blankverse mit häufiger Versbrechung
  • mitunter bricht das Versmaß völlig auf, Freiheit blinzelt durch
  • neben Pope der einzige, der die Normen durchbricht, bleibt ihnen jedoch näher, damit für die Epoche repräsentativer
  • „Seasons“ waren obwohl chaotisch sehr lange sehr populär und einflussreich
  • Nachdichtungen (Brockes) und Nachahmungen (Saint-Lambert „Saisons“, FR 1769; Roucher „Mois“, FR 1799)
  • JT heute als „Naturpoet“ ./. Philosph gesehen (2 Richtungen) – die Einzelstücke sind so unterschiedlich (Patchwork)
  • -> man weiß nie, was kommt

Winter (1726)

  • erste Version angenehm spontan (1726: 405 Zeilen, 1744: 1069 Zeilen)
  • das Schottische Grenzgedicht wurde ein didaktisches Werk, sollte Pope’s „Essay on Man“ entsprechen
  • im Vorwort („frei nach“ Norris of Bemerton in Collection of Miscellanies, 1687): es würde alles enthalten „all that enlarges and transports the soul“
  • alles muss philosophisch sein, wissenschaftlich gelöst/erklärt werden
  • dies Gedicht nichts außergewöhnliches seiner Zeit, nichts rasend Neues
  • -> Vorwort wohl eher Erklärung, was mit ihm selbst los war (in seinen Intelligenzia-Kreisen: die Schotten David Mallet/Malloch und Murdoch, Aaron Hill, Thomas Rundle, Lord Binning [dessen Sohn JT unterrichtete], Bubb Dodington – sprachen über neueste wissenschaftliche Entdeckungen, pseudo-wissenschaftliche Spekulationen, künstlerische Funde in Italien)
  • -> JT scheint verloren in einer Fülle von Material, das ihn begeisterte, aber das er nicht ordnen konnte
  • ständig Ergänzungen, Erweiterungen, Korrekturen (letzte post mortem von Freunden)
  • => „Thus the Seasons became in the end the most extraordinary hotchpotch of direct observation and the poet ́s nervous response, landscape painting, with or without figures, moralizing, praises of that wedded love denied him by the obduracy of Miss Elizabeth Young, sentimental anecdote and humanitarianism, light satire, history and geography, patriotism and panegyrics on politicians, applied science, a looking back to a golden age incompatible with an almost simultaneous progressivist looking forward to a similar perfection of living[…]. Added to these are the latest events and discoveries, the aurora borealis of March 1716, Newton with prism and telescope the plague at Marseilles, botanists with microscopes, prison reformers, travellers` reports, and so on.“
  • in Theologie des jahreszeitlichen Ablaufs Schöpferallmacht Gottes sichtbar
  • zerstörerische Natur eindrucksvoll (sommerliches Gewitter, herbstliche Überschwemmungen, Wintersturm)
  • zwar Kontrast Land ./. Stadt/Industrie/Zivilisation, aber kein ländliches Idyll, sondern Einforderung der sozialen Mitverantwortung (auch GB gegenüber der Welt)
  • John Locke: „Nature evidences a Deity“
  • Edward Young: „Man is not made to question, but to adore.“ – Buch Hiob: Mensch ein Staubkorn im Weltgefüge

Die Illustrationen von William Kent:

  • oben religiöse Ebene (klassische Mythologie)
  • unten naturalistische Details im Stile holländischer Genre- Malerei
  • -> Parallelität des Textes auch visuell
  • Kombination aus Andacht und Ästhetizitismus, vergleichbar Malerei in Rokoko-Kirchen

Frühling

Illustration:

  • Winter macht sich in dunkler Wolke nach rechts davon
  • Frühling hält ungehindert Einzug, umgeben von rosenstreuenden Amoretti
  • Stier ist Tierzeichen des Wonnemonats Mai
  • Regenbogen (grand ethereal bow, 204) schlägt Brücke zwischen Himmel und Erde (nach Genesis Garantiezeichen Gottes für künftig gesetzmäßige Abfolge der Jahreszeiten, nachdem Sündenfall und Sintflut das Goldene Zeitalter zerstört und die Welt an den Rand des Chaos gebracht hatten)
  • Regenbogen – im Text Verbindung zu Newton (Farbspektrum)
  • pastorales Frühlingsidyll (flötespielende Schäfer und -innen)
  • palladianische Villa in den Maßen Vitruvs
  • (in freier Natur, nicht in barock-geometrischem Garten) (römische Einflüsse: Vergils „Georgica“)

Text:

  • Frühling als Person angesprochen, eigtl. geschlechtslos, doch ethereal Mildness klingt nach jungfräulicher Göttin
  • alle positiven Aspekte angesprochen (in Kontrast zur vorhergehenden Jahreszeit)
  • Hazlitt: Thomson „fills up the intervals of true inspiration with the most vapid and worthless materials, overloads an exquisitely natural sentiment or image with a cloud of painted, pompous, cumbrous phrases, like the shower of roses in which he represents the Spring, his own lovely, fresh, and innocent Spring, as descending to earth.“ „Who from such a flimsy, roundabout, unmeaning commencement as this, would expect the delightful, unexaggerated, home- felt descriptions of natural scenery, which are scattered in such unconscious profusion through this and the following cantos! For instance, the very next passage is crowded with a set of striking images.“

Sommer

Illustration:

  • Frühling verhüllt sein Gesicht (links oben), dahinter der Schlaf (=Nacht)
  • Sommer als Kind des Licht-Gottes Sol/Apollo
  • Sonne umringt von vielerlei Gestalten,
  • zu Füßen das Sonnensystem (Saturn mit Sense, Venus, Merkur [handgestützt])
  • Verbindung Himmel-Erde: Sonnenstrahlen (fluid Gold, 84)
  • typische Szenen aus dem engl. Sommer: Heuernte, Rinder an der Tränke, Schafe bei der Wollwäsche
  • Damon, sucht Kühlung im Wald, entdeckt und belauscht seine Geliebte Musidora beim Baden

Herbst

Illustration:

  • wie Frühling weiblich
  • Ährengarbe und Sichel
  • Ausschüttung eines Füllhorns = Fülle der Zeit (ebenso wie Früchteschale links oben)
  • Sternzeichen Waage = Herbstbeginn
  • Getreide schneiden, Ernte einbringen (Preisgedicht auf die Arbeit, 43-150; aus Mühe, Fleiß, Leistung folgt Wohlstand und Heil, bei JT ist dies GBs Spezifikum [überflügelte im 18.Jh durch Agrarreform und Handelsblüte alle anderen Nationen])
  • Jagdszene unten rechts

Winter

Illustration:

  • als alter Mann
  • Personifaktionen von Wolken, Stürmen, Regen, Frost, Schnee
  • Seefahrer (mit Katastrophen [Suche nach Nordpassage endete oft katastrophal, wird im Text erwähnt]) im Hintergrund angedeutet
  • Schutz suchende Menschen

Nachtrag

  • scheinbar ist das Gedicht in seiner Mischung aus Alltag und Gottbeschwörung doch etwas Neues
  • läutet eine Epoche der „weltlichen Gotteshuldigung“ ein
  • Kent: berühmter englischer Gartenarchitekt, der die Art, Gärten anzulegen, revolutionierte

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Das Handout fiel dafür recht üppig aus. Jede Jahreszeit wird in der Brockesschen Zusammenfassung, dem Kupferstich und einigen Textauszügen (englisch und deutsch gegenüber) vorgestellt. Außerdem gibt es noch kurze Biographien der beiden Dichter.

Alexander Florin: Alexander Florinein Kind der 70er • studierter Anglist/Amerikanist und Mediävist (M.A.) • wohnhaft in Berlin • Betreiber dieses Blogs zanjero.de • mehr über Alexanders Schaffen: www.axin.de ||  bei Google+ || auf Twitter folgen

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