„Garden State“ (2004)

Lakonische Skurrilität durchzieht „Garden State“. Andrew Largeman lebt in L.A., ist erfolgloser Schauspieler und kommt nach neun Jahren zum ersten Mal wieder nach Hause in New Jersey. Teilnahmslos steht er am Rand der Beerdigung seiner Mutter, während im Hintergrund die Arbeiter auf ihren Einsatz warten.

Der 26-Jährige hat nach 17 Jahren seine Medikamente abgesetzt und Stück für Stück fällt die Lethargie von ihm ab. Die Beerdigung eines Hamsters am übernächsten Tag berührt ihn schon mehr. Das kann auch an der bezaubernden Samantha (Natalie Portman) liegen, die er im Krankenhaus traf, während sich ein Hund an seinen Beinen „verging“.

Andrew begegnet alten Schulfreunden, wie Totengräber Mark oder Polizist Kenny, die versuchen, mit ihrem Leben klarzukommen. „Garden State“ ist von lebensecht witzigen Charakteren bevölkert, die Andrews unterhaltsame Suche nach sich und seinem Platz im Leben begleiten.

Zach Braff, dem in der TV-Serie „Scrubs“ als J. D. scheinbar nichts peinlich ist, hält mit seiner zurückhaltenden Darstellung den Film zusammen, der mit starken Bildern und bizarren Situationen beeindruckt. Auf der DVD gibt es außer entfallenen Szenen auch zwei Kommentare mit Zach Braff, der außerdem das Drehbuch schrieb und erfrischend unprätentiös Regie führte. „Garden State“ lässt Großartiges für seine nächsten Filme erwarten.

veröffentlicht in „bus“, Oktober 2005

Nachtrag (Juli 2010)

Im positiven Sinne weckt Garden State Assoziationen an Orson Welles’ Erstling „Citizen Kane“ (1941). Hier wie dort arbeitete der Hauptdarsteller auch als Regisseur, Drehbuchautor (Welles als Ko-Autor). Mit der Szene im Landhaus vor dem großen Kamin zollt Braff unauffällig dem Altmeister Respekt. Leider deutet sich sechs Jahre später an, dass Braff ein ähnliches Schicksal erleiden könnte.

Karrierebeginn im Massenmedium der Zeit: TV-Serie bei Braff, Radio-Serie bei Welles. Volle Kontrolle über den Erstlingsfilm, der große Begeisterung auslöste (bei Welles kam sie später, hält aber bis heute an). Doch jeder Folgefilm ist bei Welles von Kompromissen gezeichnet. Im Gegensatz zu Welles konnte sich Braff bislang nicht als Charaktermime etablieren, um dadurch eigene Projekte zu beflügeln.

Im Gegensatz zu Citizen Kane ist Garden State auch deutlicher gealtert. Während er sehr treffend die Stimmung der Endzwanzigährigen vor fünf Jahren einfing, ist er heute überraschenderweise „nur“ das Portrait einer seltsamen Existenz an einem kathartischen Punkt ihres Lebens. Das Drehbuch ist clever, indem es ohne Rückblenden alle bedrückenden Ereignisse der Vergangenheit effektiv in Dialoge und aktuelle Situationen einbettet.

Und immer wieder weiß die Kamera zu beeindrucken, die interessante Perspektiven findet, ohne zum unsichtbaren Mitakteur zu werden. Für einen Erstling ist dieser Film erstaunlich konsistent in Story-Fokus, narrativer Stärke, technischer Umsetzung, Figurenentwicklung und -konflikten und Dramaturgie. Achja, der Soundtrack gehört immer noch zum Standard-Repertoire auf meinem iPod.

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Alexander Florin
Alexander Florinein Kind der 70er • studierter Anglist/Amerikanist und Mediävist (M.A.) • wohnhaft in Berlin • Betreiber dieses Blogs zanjero.de • mehr über Alexanders Schaffen: www.axin.de

Ein Kommentar

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